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DomainPulse: Politik im Zeichen des Internets

  • Veröffentlicht am 16.02.2012
  • Redaktion Webhostlist

Warum erhitzt das geplante internationale Urheberrechts-Abkommen ACTA die Gemüter der Internet-Community? Wie realistisch ist die Gefahr, dass immer schärfere Eingriffe in die Netzkommunikation verankert werden? Droht uns eine Überregulierung und welche Formen von Zugangssperren sind technisch heute schon möglich? Was bedeutet die Vorratsdatenspeicherung für den Alltag?

Diese und andere Fragen diskutieren 350 Fachbesucher bei dem 9ten DomainPulse-Kongress in Hamburg, der von der DENIC ausgerichtet wurde.



Der zweite Kongresstag – der 14. Februar 2012 – stand ganz im Zeichen von Internet Governance und Netzpolitik: Im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit Vertretern des Direktoriums der obersten Internetverwaltungsorganisation ICANN, Sachverständigen der Enquêtekommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages und Netzaktivisten aus dem politischen Umfeld wurden Handlungsoptionen und Positionen verschiedener Interessengruppen kontrovers diskutiert und geplante Maßnahmen hinterfragt. Es herrschte Einigkeit darüber, dass Entscheidungen im politischen Willensbildungsprozess, die die gesamte Weltöffentlichkeit bis in den Alltag betreffen, unter Ausschluss der Zivilgesellschaft herbeizuführen, wie es momentan bei ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) geschieht, fragwürdig und nicht mehr zeitgemäß sind. Statt traditionelle Urheberrechtsvorstellungen zu zementieren, die nicht mehr der heutigen Lebenswirklichkeit entsprechen, müsste der Rechtsrahmen im digitalen Zeitalter neu und angemessen weiterentwickelt werden.

Welche Blüten etwa die Vorratsdatenspeicherung als nur ein Aspekt von Netzpolitik treiben kann und damit die Vision von George Orwells Big Brother in die Gegenwart transportiert, führten Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, und der Visualisierungsexperte Michael Kreil ganz konkret vor Augen: Eine ganz neue Dimension der Auswertung gesammelter Daten ergibt sich, wenn diese in einer visuellen Darstellung miteinander verknüpft individuelle Bewegungsprofile erkennbar und damit den gläsernen Menschen Realität werden lassen.

Neben diesen gesellschaftspolitischen Aspekten des Internets widmeten sich weitere Programmpunkte des Tages stärker branchenspezifischen Themen wie u. a. Prognosen und Trends für den Domainmarkt in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, die im Registrar-Atlas 2012, einer Studie von eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V., zusammengetragen wurden, sowie den Vorzügen agiler Methoden wie Kanban und Scrum in Software-Entwicklung und IT-Betrieb.

Mit einer juristischen Betrachtung setzte Joerg Heidrich, Fachanwalt für IT-Recht und Justiziar des Heise Zeitschriften Verlags, den Schlusspunkt unter eine facettenreiche Tagung: In seinem Vortrag über rechtliche Risiken im Domainumfeld stellte er insbesondere anhand aktueller Urteile zu Fragen der Haftung von Registries und Providern praxisnah die derzeitige Rechtslage in Deutschland dar und ließ dabei den einen oder anderen Blick über den Tellerrand in weitere Länder nicht aus.